- Peters Erinnerungen -


Wiedersehen mit „Franz“ -  un dä  „Jan vun Wäth“

Ostern 1932 wurde ich in die „Volksschule Agrippastraße“ („Löhrjaß“) eingeschult. Neben mir auf der Schulbank bekam „Franz“ seinen Platz. Er wohnte „om Jroße Kreechmaat“ (dort, wo heute die „Kath. Hauptschule“ steht) . Wir wurden Schulfreunde und waren fast immer zusammen. Ich wohnte in der Poststraße, gegenüber dem Eingang zum „Fuhrpark“.

Bald nach dem Tode meines Vaters (1933) zog meine Mutter mit mir in den „Rothgerberbach“. Die Schule in der „Löhrjaß“ konnte ich weiterhin besuchen – bis 1939. Für drei Jahre ging ich auf die „Aufbauzüge für Jungen“ in der Burgunderstraße. Dieses hatte zur Folge, daß sich die Verbindung zu Franz nun lockerte – aber sie blieb bestehen.

Meine Mutter und ich wurden 1943 und 1944 (auf dem Mauritiussteinweg) ausgebombt. Wir mußten unser „Kölle“ verlassen und fanden bei einer Tante in Hannover eine Unterkunft. Auch  Franz und seine Eltern waren ausgebombt worden. „Ob sie noch lebten?“ oder „Wo sie sich wohl aufhielten?“ keiner konnte mir eine Antwort auf diese  Fragen geben. Die Verbindung zu meinem Schulfreund war unterbrochen!

Ich wurde Soldat. Nach Ende des Krieges studierte ich und ließ mich in Hannover nieder, zunächst als Lehrer, dann als Schulleiter.

Als ich nach meiner Entlassung aus der Gefangenschaft am 6.12.1946  zum erstenmal wieder nach „Kölle“ fuhr, mußte ich von Deutz aus  ein „(Müllemer ?)-Bötchen“ benutzen, um  die „richtige“ Rheinseite zu erreichen. Trotz vieler Nachfragen: Eine Spur von Franz fand ich bei diesem Besuch nicht!

1988 wurde ich pensioniert. Die Zeit meines Ruhestandes wollte ich nutzen, um die Geschichte meiner Familie zu erforschen. Mein Vater stammte aus dem Siebengebirge, meine Mutter aus der Eifel bei Maria Laach.

Als ich mit den Vorarbeiten  zum Thema „Meine Schulzeit“ begann, fiel mir als erstes der Vorname  meines Schulfreundes ein. Ob „Franz“ noch lebte? Wo war er geblieben? Was war aus  ihm geworden? Nach umfangreichen Recherchen gab es eine Antwort auf meine Fragen: Franz lebte und wohnte in Ehrenfeld! Als ich ihn anrief, konnte er zunächst gar nicht glauben, daß ich es war: „Du lebst noch?“

Wir verabredeten ein Treffen. Wo sollte es stattfinden? - Franz: „Wo wir uns immer getroffen haben: Ecke Kayjaß/Kreechmaat!“ Als ich dort ankam, war er schon da. Ich sah es von weitem: Ihm fehlte der rechte Arm! Er hatte ihn im Krieg  bei einem Panzerangriff verloren.

Als wir uns nach fast  fünfzig Jahren in den Armen lagen, sagte Franz: „Pitter, wer hätt´ dat jejläuv?“ Meine Antwort: „Franz, wä hätt´ dat  jedon?“

(K)-Urkölner kennen und benutzen auch nach Jahrzehnten ihren „Jan vun Wäth“ – wenn auch in leicht veränderter Form!

Dä Pitter us de Poßstroß 


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