meister gerhard
wir schreiben den 12. april anno 1248. schon lange tragen sich die kölner mit dem gedanken, einen neuen und noch viel größeren und schöneren dom zu errichten, also natürlich den schönsten dom der christenheit überhaupt.
hier der im original über vier meter hohe sogenannte "große fassadenplan", welcher ein gewisser meister johannes schon kurz nach 1300 angefertigt hat.
toll,ne?
man ist gerade dabei, den alten dom, welchen bischof hildebrand hatte errichten lassen, abzubrechen, da brennt an diesem 12. april 1248 durch eine unvorsichtigkeit bei den abrissarbeien dieser alte dom bis auf die grundmauern nieder.
allein der schrein der heiligen drei könige (mehr zu diesem prunkstück auf der seite über den kölner dom) bleibt unversehrt.
unmittelbar nach diesem brand holt erzbischof konrad von hochstaden über diverse sponsoren gerhard von ryle nach köln, - einen baumeister, welcher schon als steinmetz im französischen amiens seine kenntnisse in der gotischen baukunst hinlänglich bewiesen hat. gerhard erhält den auftrag, auf dem platz des alten doms dieses wahrhaft
grandiose bauwerk zu errichten.unser dombaumeister macht sich also an die arbeit. er kramt den großen Fassadenplan aus der schublade der dombauhütte, fertigt noch schnell ungezählte detaill-pläne an und dann endlich - am 15. august 1248 - legt meister gerhard zusammen mit erzbischof konrad den grundstein zu dem neuen dom.
und hier beginnt die eigentliche geschichte, - nämlich die geschichte von der wette meister gerhards mit dem teufel:
die jahre ziehen ins land und gerhard arbeitet fast tag und nacht (außer an fastnacht) an seinem lebenswerk. das filigrane ostchor des neuen doms steht schon und der südturm ist schon bis zur mitte hochgezogen, - da bekommt unser gerhard eines mittelalterlichen abends unerwarteten besuch vom teufel:nabend gerhard!
ich happ so`n brand. - hasse ma en kölsch?
meister gerhard ahnt nichts böses, ruft aus dem fenster "kumm erop, wenn de nit d`r düüvel bes!" und holt seine letzte flasche kölsch aus dem kühl- und zwei kölschgläser aus dem küchenschrank, alsoeins für sich ...
und
eins für den teufel.
als die beiden bei leiser lautenmusik aus dem pedalbetriebenen cd-player so vor sich hin schlucken, bietet der teufel unserem gerhard eine wette an:
pass ma auf, jerhard: bevor du dein kirchlein fertisch hast, bau` ich locker sone art wasserleitung von trier bis nach köln! wenn du jewinnst, jehört dir der ruhm allein und wenn ich jewinne, soll wenistens deine seele mir jehören.
um es kurz zu machen: unser gerhard nimmt diese wette an, weil er sich nicht vorstellen kann, dass flüssigkeit über die berge der eifel nach köln fließen könnte. und wenn schon - dann wäre ihm eine bierleitung sicher lieber gewesen! von einem römischen aquädukt hat er noch nie etwas gehört und bildbände sowie wasserpumpen kommen ja erst in ungefähr
800 jahren auf den markt.
am nächsten tag -gerhard ist wieder einmal mit seinem presslufthammer hoch oben auf der baustelle- sieht er in der mittagspause bei einem kölsch und zwei mettbrötchen ganz unten vor dem portal des südturms plötzlich einen kleinen bach, welchen er morgens noch nicht gesehen hat. und in diesem bach erspäht er einen erpel, welcher ihn von unten spöttisch angrinst und dessen schnabel von sekunde zu sekunde in gar bedrohlicher art und weise immer größer wird.
meister gerhard wird schlagartig klar, dass er die wette verloren hat und dass dieses untier der teufel in gestalt einer ente sein muss. er hebt noch ein letztes mal die hände zum himmel und stürzt sich in die tiefe, um seinen widersacher zu vernichten und so
seine arme seele zu retten.
und - wie die überlieferung glaubhaft berichtet - riecht es am nächsten morgen in der umgebung des doms nach schwefel und verbrannter haut ... und ein ganz klein wenig auch nach kölsch !das ende von ...
meister gerhard
... und die erklärung dafür, warum in köln seit dem jahre 1248
das böse ausgerottet ist.
viel später erst stellt sich heraus, dass in wirklichkeit diese wasserleitung gar nicht das werk des teufels war. vielmehr hatte der belzebub durch indiskretion eines pleite gegangenen kölner bierbrauers erfahren, dass es unter dem dom eine
unterirdische quelle gab und vermutlich noch gibt, welche nur durch einen gesteinsbrocken verstopft war.
und die moral von der geschicht`: wette mit dem teufel nicht!