- Lehrzeit in Köln -
Gesellenleben bis zur Auswanderung 1965
 
 
Während meiner Schulzeit hatte ich schon immer mehrere Interessen. Zur Aufzählung, nicht in Reihenfolge von Wichtigkeit: kochen, basteln mit Holz und elektrische oder Radioprojekte. Obwohl meine gewünschte Richtung mehr zur Radio-Technik lockte, war die Entscheidung und Suche einer Lehrstelle meinen Eltern überlassen.
 

Mit meiner Grundschulausbildung war es ihnen gelungen, für mich eine Lehrstelle als Elektro-Installateur in der Staatlichen Ingenieurschule am Ubierring zu finden. Erster Meister war ein älterer Herr Giese, welcher gewechselt wurde von Herr Flau, seinem ersten Lehrling. Es war ein sehr interessante Lehrstelle. Meine Tätigkeiten, außer im ersten Lehrjahr, in welchem ich geholfen habe, die großen gemauerten Gänge der Zentralheizung von Asche zu säubern, waren vielfältig.

Die Elektro-Werkstatt war zuständig für die Studenten, um im Labor Vorbereitungen zu treffen. Dort war ein Sortiment an Wechsel- und Gleichstrommotoren sowie Generatoren und ein  Röhren-Gleichrichter  aufgestellt. Ein neues Hochspannungs-Labor mit natürlich Tesla-Transformator wurde in den Jahren 1957 bis 1958 aufgebaut.

Während dieser Lehrzeit lernte ich mehr von Köln und seiner Innenstadt kennen. Die tägliche Bahnfahrt über die Deutzer Bruecke und weiter mit Bus  durch das "Frengsveedel" zum Chlodwigplatz habe ich zur Beobachtung der Umgebung  hingenommen. Es war die Zeit, in welcher der Bau der Severinsbrücke stattfand. Die Beobachtung der Arbeiten am Pylon wurde mit Interesse verfolgt. Unglücklicherweise war dort eines Tages ein Problem mit dem Luftdruck in der "Unterwasser-Kammer", welches bewirkte, dass die Struktur im Rheinkies nach einer Seite abrutschte. Es kamen mehrere Arbeiter in der Kammer  ums  Leben. 

Es war wie angedeutet um diese Zeit, in welcher Freds und meine Wege sich auf dem Chlodwigplatz kreuzten. Leider haben wir uns nicht kennengelernt.  

Als echter Kölner, in Brück an der Stadtgrenze wohnend, waren mir Karneval  und ein Kostüm zu tragen immer wichtig. Mein Stiefvater, welcher seid einiger Zeit im Hotel Lenz am Ursulaplatz als Empfangsherr  angestellt war, arrangierte Einiges zum Kostüm-Ball. Ich durfte in der Garderobe mithelfen, welches  nicht nur als Arbeit empfunden wurde. Der Kontakt mit kostümierten Gästen war  sehr interessant, ebenso mein erster Einblick in den Tanzsaal.

Nach der Beendigung der Lehre 1959 ging mein Berufsleben weiter durch eine Vermittlung bei der AEG im Büro am Neumarkt. Meine erste Arbeitsstelle war zu meiner Überraschung  auf der Baustelle Schildergasse  bei der Firma Esders & Dyckhoff.  Umbaubedingt auf verschiedenen Verkaufs-Etagen war es für einige  Monate, welche sich über Weihnachten hinstreckten, mit Installieren der Weihnachtsbeleuchtung an der Fassade. Ein Tag zur Erinnerung war ein Vorfall, bei welchem mir einige der freundlichen Verkäuferinnen durch einen Schacht in der darüber liegenden Etage ein Parfüm-Konzentrat auf dem Kopf ausleerten, während ich bewegungslos auf einer Leiter meiner Arbeit nachging. Als ich durch die Verkaufsräume ging, waren die Kommentare  des Personals und der Kundschaft unbeschreiblich.

Mein erster Sichtkontakt mit Königin Elisabeth war während des Besuchs ihrer Hoheit mit einer Parade in der Cäcilienstraße.

Weitere Arbeitsstellen mit der AEG waren die Dielektra in Porz, die Glasfabrik Porz, Bayer-Leverkusen, der Gerlingkonzern und  eine Neubausiedlung in der Nähe von Leverkusen. Bei der Dielektra hatte ich einen Vorarbeiter mit dem typischen kölschen Namen "Wynand"

Meine Mobilität und Bewegungsfreiheit erweiterte sich nach dem Kauf eines Mopeds in einer Motorrad-Handlung  auf dem Friesenplatz, mit Hilfe meines Onkels. Dieses ermöglichte mir einige Tagesreisen aufs Land zu unternehmen sowie eine gewisse Unabhängigkeit von den öffentlichen Verkehrsmitteln. Kontakt mit einigen früheren Schulkameraden wurde aufrecht erhalte, welches durch die besondere Aktivität eines Freundes  zur Gründung  des "Margit Imlau-Will Brandes" Klubs  führte. Auf dem Programm standen monatliche Treffen  in einem Lokal an der Kreuzung Rittersttraße / Hansaring, ein Busausflug nach Valkenburg in Holland sowie ein Besuch der jungen Sängerin  Margit Imlau in Lustheide .

Inzwischen war ich der stolzer Besitzer eines Ford Taunus M15, welchen ich aufmöbelte von ausgebranntem Zustand. Weitere Touren wurden unternommen. Das Moped blieb mir trotzdem treu.

Das weitere Leben in Köln seit 1963 und mein Interesse drehte sich um den Klub sowie um eine gewisse Familienunabhängigkeit. Die Möglichkeit der Auswanderung lockte, angetrieben durch Reklame der Australischen Botschaft in einem Gebäude am Kaiser-Wilhelm-Ring. Mein Freund  Joachim  und ich holten Erkundigungen ein. Unsere Sprachkenntnisse in Englisch waren gleich null und zu einem Anfang zum Lernen gab es das British-German Centre ("Die Brücke") auf der Hahnenstraße. Ende September 1965 war es soweit: Der Weg ins andere Leben , - ohne Schulfreund:

 
 
 
 
Einmal musste das sorgenfreie Schulleben zu Ende gehen und die Lehrzeit fing an 1956. Dieses war auch gleichzeitig mein häufigerer Kontakt mit der Großstadt Köln.
 

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