Nachkriegsjahre - Erlebnisse in Brück


 
Bis zu meiner Schulzeit, in der die Katholische und Evangelische Jugend in der einzigen existierenden Katholischen Schule untergebracht wurde, verlief das Leben und Spielen auf der Straße ziemlich sorgenfrei. Besonders im unteren Teil  Brücks: Handschaft, Denklinger Str., Waldbröhler Str., um mehrere zu nennen. Leichtherzige Knebbeleien in den Schuljahren -aus Religion bedingt- waren nicht zu vermeiden. Meine Mutter heiratete wieder im Jahr 1946, nachdem mein Vater 1943 an der Russischen Front gefallen war. 1948 wurde meine Schwester Elisabeth geboren.
 
 
 
1951 HDK  meine Mutter  und meine Schwester Elisabeth
 
 
 
Hans-Dieter, darf ich auch einmal auf dem Dreirad fahren?
 
 

 
 
 
Kinder-Versammlung - Was wird als nächstes ausgeheckt?
 
Die Evangelische Kirche war gerade um die Ecke und wenn wir nicht in der Straße vor unserem Haus spielten, wurde der Vorplatz  während der Woche hin und wieder benutzt, welches nicht gern gesehen wurde von den Nachbarn und dem Herrn Pastor. Dort ging ich auch in den Kindergarten.
 
 
War es zu Ostern, mit den Körbchen auf dem Tisch?
 
Um etwas Taschengeld zu verdienen, haben wir während einer Überflutung durch Regen an einer Straßenecke lange Holzdielen auf Mauersteine gelegt und  von Personen, welche spätnachmittags von der Arbeit kamen, zum Überqueren einen Groschen verlangt. Diese ungewöhnliche Flut  und ein vorübergehend entstandener Teich wurden auch zum Schwimmen benutzt. Es dauerte manchmal mehrere Stunden bis die Feuerwehr die verstopften Kanäle ausgepumpt hatte.
 
 
Kindergruppe aus unserer Siedlung  
 
Unsere Großeltern sprachen oft von der Zeit in der Lindenstrasse und der Name Millowitsch-Theater tauchte auf.
 
 
 
Diese Fobwatch war ein Geschenk meiner Oma zu Großvaters fünfzigstem Geburtstag:
 
 
 
Später, als Fernseher erhältlich waren, war es etwas Besonderes, am Bildschirm  den "Etappenhasen"  zu sehen. Langeweile hatten wir fast nie in der Schulzeit und Freizeit. Eines Tages beobachten die Tochter des Nachbarn und ich, wie der Metzgerbgeselle bei einer Lieferung mit Fahrrad auf dem holprigen Pflaster eine Wurst vom Korb, welcher auf dem Gepäckständer befestigt war, verlor. Ein schneller Entschluss: Wir nehmen sie mit nach Hause,  wo sich dann unsere Eltern diese Wurst geteilt haben. Um etwas Extrageld zu verdienen, durfte ich als kleiner Panz mithelfen, im Herbst Bucheckern sammeln.  Es wurde Öl  und Buchweizenmehl davon produziert.  Es gibt ja den Ausdruck: "Et jeit op  wie 'ne Boochweize Pannekooche." Nebenbei wurden   Eicheln  zum Rösten als Ersatzkaffee gesammelt. Der Wald war nicht weit weg vom Klausenberg und dem ehemaligen Mauser-Hof-Gebäude, welches als Waisenheim eingerichtet war .
 
Im Frühjahr waren es Maiglöckchen, welche gepflückt  wurden an einer anderen Stelle.  Ich glaube , ein Jutesack enthielt 30 Kg, wenn er voll war. Dieser wurde geliefert an den nahe gelegenen Arzneimittel-Hersteller Madaus in Merheim. Es durfte nicht geschummelt werden bei der "Ernte". Manche Personen benutzten eine Sichel, um es einfach zu machen. Es war dann zuviel anderes "Jröns" darunter, welches bewirkte, dass das volle Entgeld nicht von Madaus bezahlt wurde. Mein Großvater, welcher in Riehl als Schreiner in den Straßenbahn-Werkstätten tätig war, hatte wohl nicht genug Arbeit im Hintergarten. Deshalb, so muss ich annehmen, betrieb er noch einen Schrebergarten nahe dem ehemaligen Militär-Flughafen  Mehrheim .
 
Er transportierte auf einem  vierrädrigen Karren Jauche aus einer Sickergrube in einer vorherigen großen Nahrungsmittel-Bombe . 
 
Als Kleinkind durfte ich mithelfen im Schrebergarten, welches manchmal nicht ohne Gefahr war. Es lag noch genug Munition im Gelände wie z.B.  sechs eckige Magnesium-Leuchtbomben  und  Anti-Aircraft  Patronen. Für mich war dies alles interessant  und ich habe Stunden  auf dem zertrümmerten Rollfeld herumgestöbert. Bei dem Aufräumen der Gaerten war ich leichtsinnig genug, Patronen in das Feuer zu werfen, um zu sehen, was passierte. Zum Glück ist nichts geschehen. Es wurden auch Kupfer und Messing gesammelt, um dieses dem Alträucher in der Nähe zu verkaufen. Die Patronen hat er zurückgewiesen , - aus guten Gründen. 
 
Die "Deli"-Lichtspiele, sprich KINO, neben der Gaststätte "Fuulen Weet", haben wir sonntagnachmittags besucht. Mit unseren kargen 5 Groschen wurden wir eingelassen, aber erst nach Kassenschluss.
 
Insgesamt gab es 4 Wirtschaften in Brüeck, 2 davon unterhalb des Flehbachs. Eine davon, die Gaststätte zur Post, wurde besucht von dem Herrenvolk auf dem Weg zurück von der Katholischen Kirche.
 
Die Öffnungszeit der Gaststätten war bis 13 Uhr am Sonntag. Es ist öfters vorgekommen, dass die Kinder von der Mam geschickt wurden, um Pap aufs Mittagessen aufmerksam zu machen.
 
Meine Großmutter war immer sehr bedacht auf mich: " Der Jung muss a Banänche  hann", sagte sie, als ich die Treppe runter kam von unserer Wohnung und  auf zur Schule.
 
Das Vergnügen am Abend nach der Schule war manchmal das Reden per Mikrofon und Draht. Ein Freund an der Ecke, etwa 80 Meter entfernt, und ich hatten Erlaubnis, von den Nachbarn und Telefongesellschaft beachtet, Klingeldraht zu ziehen, hochgelegt über der Straße mit Bohnenlatte und dann weiter durch den Garten. Es wurde gefunkt und gesprochen mittels Mikrofon und Kopfhörer. Die Radiosendung  des  Engländers  Chris Howland  "Heinrich Pumper Sputnikel ", wie er sich scherzhaft nannte, war unsere Lieblingssendung.
 
Die neue Evangelische Schule in der Diesterwegstraße wurde eröffnet und die Umschulung war  nach meiner Erinnerung 1952.
 
Einmal musste das sorgenfreie Schulleben zu Ende gehen und die Lehrzeit fing an 1956. Dieses war auch gleichzeitig mein öfterer Kontakt mit der Großstadt Köln .
 

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