- in d´r kayjass nr. 0 -


wohl jeder kölner kann mit dieser überschrift mehr oder weniger etwas anfangen, auch wenn  immer noch nicht ein jeder weiß, wo in köln sich diese gasse befindet und was es mit dem in dem gleichnamigen liedtext besungenen legendären lehrer welsch eigentlich auf sich hat.

heute befindet sich genau gegenüber dieser gasse und nur wenige meter von der u-bahn-haltestelle poststraße die katholische hauptschule großer griechenmarkt mit der anschrift  großer griechenmarkt 76 in 50676 köln und der internetadresse www.griechenmarkt.de. im sekretariat dieser schule kann man seit dem frühjahr 2011 für gerade mal 10 euro eine großformatige, 70-seitige bunt bebilderte chronik im vierfarbendruck erwerben, dessen geringer erlös alleine den kindern dieser kölner vorzeigeschule zugute kommt.

hier schon einmal ein kleiner vorgeschmack auf dieses buch, in welchem unter anderem auch ein beeindruckender augenzeugenbericht über die vollständige zerstörung des gesamten stadtviertels  rund um diese gasse in der denkwürdigen nacht vom 28. auf den 29. juni 1943 zu lesen ist:        


die kayjass nummer 0 ist nicht nur die heimliche nationalhymne unserer stadt, sondern ureigentlich nur eine ganz normale gasse mitten in köln. und dort, wo diese kaygasse -vermutlich benannt nach einer familie keige, kaie oder keye- in den großen griechenmarkt einmündet, steht dem text des liedes zufolge eine steinalte schule, die dereinst einer beliebten kölner legende nach von einem sonderschullehrer namens heinrich welsch an der ecke kaygasse 1 / großer griechenmarkt 87 gegründet wurde. dort stand von 1891 bis 1939 tatsächlich eine sonderschule - aber in wirklichkeit verhielt es sich doch ein ganz klein wenig anders. lassen wir unseren lehrer welsch doch einfach selbst zu wort kommen:


    ich bin der     lehrer welsch  

und konnte zu lebzeiten nicht einmal ahnen, dass ich eines tages der berühmteste
lehrer von köln werden sollte.


ich, heinrich welsch, erblickte am 29.5.1848 in arzdorf, einem teil der heutigen
gemeinde wachtberg, das licht der welt. 

och, wat  is dat schön!

zu beginn meines heute legendären lehrerdaseins besuchte ich als privatlehrer die rektoratsschule in meckenheim, danach die lehranstalt koblenz und bestand 1868 in brühl bei köln die lehrerprüfung. meine weiteren stationen waren die "reichsfreiherr leopold von fürstenbergschule" auf dem westfälischen schloss körtlinghausen. 1877 kam ich an die volksschule in worringen, anschließend an eine schule in köln-sülz und 1881 nach köln-kalk, wo ich 1905 in der hollweghstraße als rektor die erste kölner hilfsschule gründete, wie man zu meiner zeit die sonderschulen zu nennen pflegte. mit der hilfsschule am großen griechenmarkt nr. 87 hatte ich indes nie etwas zu tun, schon gar nicht mit dem lehrer und rektor johann josef welsch von der katholischen volksschule "am klingelpütz".    

ich bin der    der kleine       oben  in        der mitte!

anno 1938 komponierten "die drei laachduve" ein wunderschönes liedchen auf mich, dessen heute stadtbekannte melodie ihr im hintergrund hört. aber irgendwie reimte sich der text damals wohl noch nicht so richtig.

im laufe des zweiten weltkrieges wurde deshalb der text mehrere male umgeschrieben, so dass ich auf diese art und weise posthum ohne mein wissen in die kayjass nr. 0 versetzt wurde. zehn Jahre nach meinem tod machte mich 1945 die mehr oder weniger endgültige version durch die "vier botze" berühmt:


- En d`r Kayjass Nr. 0 -

En d'r Kayjass Nummer Null steiht en steinahl Schull
un do hammer dren studeet.
unser Lehrer, dä hieß Welsch,
 sproch en unverfälschtes Kölsch
un do hammer bei jelihrt.
Un da hammer hin un her üvverlaat
un han für dä Lehrer jesaht:

Nä, nä dat wesse mer nit mih, janz bestemp nit mih
un dat hammer nit studeet.
Denn mer wore beim Lehrer Welsch en d'r Klass
un do hammer sujet nit jelihrt.
 

Ävver, ävver, ävver dreimol Null es Null, es Null,
denn mer woren en d'r Kayjass en d'r Schull;
dreimol Null es Null, es Null,
denn mer woren en d'r Kayjass en d'r Schull.

Es en Schiev kapott, es ene Müllemmer fott,
hät d'r Hungk am Stätz en Dos':
Kütt dä Schutzmann anjerannt,
hät uns Pänz dann usjeschannt, -
saht: Wat maat ihr vier dann blos!

Un da hammer widder hin un her üvverlaat
un han för dä Schutzmann jesaht:
Nä, nä dat wesse mer nit mih, janz bestemp nit mih
un dat hammer nit studeet.
Denn mer wore beim Lehrer Welsch en d'r Klass
un do hammer sujet nit jelihrt.

Ävver, ävver, ävver dreimol Null es Null, es Null,
denn mer woren en d'r Kayjass en d'r Schull;

dreimol Null es Null, es Null,
denn mer woren en d'r Kayjass en d'r Schull.

Neulich krät uns en d'r Jass die Frau Käzmann beim Fraaß, -
saht: Wo wollt ihr vier dann hin?
Uns Marieche sitz zo Hus,
weiss nit en un weiss nit us:

Einer muss d'r Vatter sin!

Un da hammer widder hin un her üvverlaat
un han för die Käzmanns jesaht:
Nä, nä dat wesse mer nit mih, janz bestemp nit mih
un dat hammer nit studeet.
Denn mer wore beim Lehrer Welsch en d'r Klass
un do hammer sujet nit jelihrt.

Ävver, ävver, ävver dreimol Null es Null, es Null,
denn mer woren en d'r Kayjass en d'r Schull;

dreimol Null es Null, bliev Null,
denn mer woren en d'r Kayjass en d'r Schull.
 

wie der liebe gott oder auch der zufall es so wollte, steht heute in colonia genau dort an der ecke poststraße / großer griechenmarkt 76 neben dem agrippabad und gegenüber der kaygasse und dem nobelhotel "im wasserturm" die heute vermutlich kölscheste traditionsschule, nämlich die "katholische hauptschule großer griechenmarkt".

seit einigen jahrzehnten hängt an der ecke großer griechenmarkt / kaygasse an einer hauswand eine steinerne gedenktafel, die bezeugt, dass die heutige katholische hauptschule großer griechenmarkt meine rechtmäßige erbin ist:

"he an dem plätzje stund en steinahl schull, wo jerechnet wohd: drei mol null es null." (hier an diesem platz stand eine steinalte schule, wo gerechnet wurde: dreimal null ist null) 

das prunkstück dieser schule ist wohl die schuleigene karnevalssitzung, welche zum ersten mal bereits im jahre nach entstehung  der heutigen schulform  unter der leitung von frau evamaria wingen 1969 in der turnhalle der schule aufgeführt wurde. vorwiegend aus baulichen gründen folgte nach 1978 eine sitzungslose zeit. seit 1985 findet die schulssitzung an zwei tagen hintereinander im großen saal der wolkenburg am mauritiussteinweg in unmittelbarer nähe der schule und des neumarkts statt.

schulsitzung 1974 in der turnhalle der katholischen hauptschule großer griechenmarkt
 

  

schulsitzung 2005 in der wolkenburg am mauritiussteinweg


eintrittskarten für diese karnevalssitzungen gibt es aber nicht auf dem freien markt, sondern nur in dieser schule! - mehr dazu auf der Seite

www.griechenmarkt.de

am 7. juni 1935 hörte mein herz auf zu schlagen. aber vergessen bin ich wohl noch lange nicht. wer mich besuchen möchte, findet mich auf dem kalker friedhof:

euer heinrich welsch 


von der "volksschule agrippastraße" bis zur
"katholischen hauptschule großer griechenmarkt"
- nur ein kurzer weg, aber doch eine lange zeitreise -


vor dem zweiten weltkrieg stand auf dem grundstück, auf welchem sich heute die "katholische hauptschule großer griechenmarkt" (hausnummer 76) befindet, ein mietshaus mit der damaligen anschrift poststraße 32 oder auch 34. dessen ausgang zum großen griechenmarkt trug die hausnummer 108. die änderungen der hausnummern hängt mit dem wiederaufbau des stadtviertels zusammen, welches am 29. Juni 1943 bis auf wenige mauerreste zerstört worden war.  


dort, wo heute das agrippabad steht, gab es vor dem krieg die "volksschule agrippastraße" mit der hausnummer 73-77. sie wurde zwischen 1904 und 1906 von johannes kleefisch und felix krueger erbaut. in dieser schule wurden jungen  und  mädchen nicht nur klassenmäßig, sondern auch auf dem schulhof  durch eine mauer strikt voneinander getrennt. schulleiter war zumindest im jahre 1935 ein herr sterkel. er war in erster linie für die jungen zuständig, - seine konrektorin "frollein" katharina huppers vorwiegend für die mädchen.

im volksmund wurde diese schule zeit ihres bestehens "in der löhrjaß" genannt, obwohl es diesen straßennamen bereits seit 1875 offiziell gar nicht mehr gab. vor 1875 trug die heutige agrippastraße abschnittsweise gleich drei straßennamen:

- "löhrjaß" (westlicher teil mit der "volksschule agrippastraße")
- "schleichgäßchen" (mittlerer teil) 
- "agrippastraße" (östlicher teil)


die "evangelische volksschule großer griechenmarkt" 60-66 wurde nach den plänen von hans wiesmann zwischen 1929 und 1931 erbaut und hatte mit der "volksschule agrippastraße" keine direkte schulische verbindung. es gab jedoch zwischen beiden schulgrundstücken eine verschlossene verbindungstür.

1    ehemalige volksschule agrippastraße 73-77

2    ehemalige evangelische volksschule großer griechenmarkt 60-66

3    heutiges schulgebäude großer griechenmarkt 76  

4    ehemalige schule von 1891 bis 1939 an der ecke großer griechenmarkt / kaygasse

5    hotel im wasserturm

6    agrippabad


zwischen 1956 und 1958 wurde das heutige gebäude am großen griechenmarkt 76 errichtet und nach den osterferien 1958 eingeweiht; pate standen übrigens "die schusterjunge". der architekt war georg schneider. in diesem neuen schulhaus befanden sich die evangelische volksschule unter der leitung von herrn gisch und später von herrn struß sowie die katholische volksschule unter der leitung von herrn hans wiese.

Herr Gisch (1959)               Herr Wiese (1966)

1968 wurde in nordrhein-westfalen die volksschule (von klasse 1 bis 8) als schulform abgelöst und durch die neu gegründeten grundschulen (von klasse 1 bis 4) und hauptschulen (anfangs von klasse 5 bis 8, später von klasse 5 bis 10) ersetzt. die schule am großen griechenmarkt 76 erhielt nach der schulreform von 1968 ihren heutigen namen "katholische hauptschule großer griechenmarkt". die evangelischen kinder ab klasse 5 wurden dem neuen schulsystem entsprechend auf  die gemeinschaftshauptschulen verteilt, welche schüler unabhängig von ihrer konfession aufnehmen. 

der erste schulleiter der "katholischen hauptschule großer griechenmarkt" war der bereits weiter oben erwähnte herr hans wiese. seine nachfolge trat im februar 1984 herr karl becker an, welcher der schule einen schülernahen musischen schwerpunkt verlieh. seit herrn beckers pensionierung im februar 2009 ist herr manfred lebek der neue schulleiter. 


seit 1968 war unter der leitung von herrn hüby und später von herrn christian in diesem gebäude auch die "gemeinschaftsgrundschule großer griechenmarkt" untergebracht, die aber später wegen mangelnder schülerzahl aufgelöst wurde. beide schulformen teilten sich unter einem dach den hausmeister, die turnhalle, den kopier- und den kartenraum sowie die toiletten, hatten aber ansonsten wenig gemeinsam. nach der auflösung dieser grundschule wurden deren räumlichkeiten von der khs großer griechenmarkt übernommen, so dass nun auch platz für ein schülercafé, ein elternbüro sowie für neue fachräume vorhanden war.    


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