- erzbischof anno II. -


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wir kölner hatten ja schon viele erzbischöfe und kardinäle und mit den meisten von
ihnen haben wir uns auch ganz gut verstanden.

einer von ihnen fiel aber völlig aus dem rahmen und das war anno II. er regierte unsere stadt von 1056-1075. anno stammte aus niedrigem adel, aber er  hat sich empor gedient und den kölnern einige romanische kirchen wie z.b. st. georg  am waidmarkt gestiftet. auch sonst soll er ein sehr  wohltätiger mensch gewesen sein, ja er soll sogar blinden zu neuer sehkraft verholfen haben, - aber wie die folgende geschichte zeigt, wohl auch umgekehrt!    

1075 wurde er in der von ihm gegründeten benediktinerabtei auf dem michaelsberg
bei siegburg beigesetzt und natürlich ist er ob seiner verdienste längst heilig
  gesprochen worden. soweit - sogut.  

der anno-schrein in   annoschrein.jpg (1647 Byte)   der siegburger abtei

anno 1074 hat unser anno sich aber einen folgenschweren lapsus geleistet. zu ostern
 war nähmlich der bischof von münster bei ihm zu gast und die beiden haben
vermutlich tüchtig einen drauf gemacht.

das ist ja auch nicht weiter schlimm, denn einen messwein in ehren kann keiner
 verwehren! aber dann kam der ostermontag und mit ihm kam
  die stunde des abschieds.

hilfsbereit wie unser anno nun einmal war, hat er für seinen kumpel aus münster sofort bei der kölner taxizentrale angerufen, aber da war -wie an feiertagen üblich- immer besetzt.
 und weil es damals ja auch noch keine bahn-card gab, besorgte anno für die heimfahrt

seines freundes auf die schnelle ein schiff.

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nur war es nicht sein eigenes schiff, sondern das eines handelskaufmanns, welcher zudem von dieser aktion überhaupt nicht informiert war.

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der kaufmann war gar bitterlich erzürnt, aber anno ließ nicht mit sich reden und beschlagnahmte sogar das schiff.

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die kölner bürger solidarisierten sich mit dem rheinschiffer  und es kam zu einem aufstand, bei welchem die bürger den palast des ungeliebten erzbischofs stürmten.

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jetzt wurde es für den erzbischof langsam unangenehm:

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anno flüchtete in den alten dom, entkam von dort aus über einen unterirdischen gang und tauchte auf unbekannte art und weise in neuss am niederrhein unter.

dort stellte er ein heer zusammen und zog mit diesem zurück nach köln, um bittere rache an der kölner bürgerschaft zu nehmen.

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die angeblichen rädelsführer des aufstandes wurden entweder ermordet oder geblendet und die mitläufer, also fast die gesamte kölner bevölkerung, musste  "barfuß und in wollene kleider gehüllt" zur buße beim erzbischof  in der  kirche st. georg antreten.

die kölner bürger hatten eine herbe niederlage erlitten und wie  lampert von hersfeld in seiner chronik weiter berichtet, "war die stadt fast völlig verödet und schauriges schweigen herrschte auf den leeren straßen". wie es heißt, verließen an die 600 kaufleute die stadt.

erst mit der schlacht von worringen im jahre 1288 erkämpften sich die kölner bürger
 ihre unabhängigkeit von der kirchlichen obrigkeit.

der legende nach ließ anno über den türeingängen der aufrührer schandmasken, sog. grinköpfe, anbringen. ein paar davon sind heute noch an einigen häusern in der kölner altstadt zu sehen wie z.b. am "gasthaus zum st. peter" an der ecke heumarkt / seidenmacherinnengässchen.

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in wirklichkeit sind diese grinköpfe aber nur als häuserschmuck verkleidete flaschenzüge,
 um kölschfässer oder andere wertgegenstände aus dem
  keller  zu holen oder in den keller
 zu versenken. unterhalb
  der grinköpfe gab es nämlich ursprünglich zu
diesem zwecke immer  ein mit brettern abgedecktes kellerloch.


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