die weckschnapp 

direkt am rheinunfer steht heute noch
ein kleiner turm, welcher im volksmund unter dem merkwürdigen namen "die
weckschnapp" bekannt ist. er gehörte im mittelalter zu einer bastion, die nach 1400
um die kuniberts-torburg im
heutigen stadtteil köln-riehl erbaut
worden war. in wahrheit muss es sich wohl
um ein benachbartes, heute
nicht mehr vorhandenes türmchen gehandelt
haben.
aber
das soll uns hier nicht
weiter kümmern.
1 =
kunibertsturm
2 = weckschnapp
3 = stadtmauer
4 = turm zu riehl
wichtig ist, dass -wie auf dem bild zu sehen- die weckschnapp zu einer hälfte
im rhein gestanden haben muss, - sonst geht die folgende gar schaurige geschichte nämlich
nicht
auf. denn in ihr geht es um die frage, wie die weckschnapp
zu
ihrem namen kam.
der sage nach diente dieser unscheinbare
turm den kölnern dereinst als gefängnis für todeskandidaten. und grausam, wie das
mittelalter nun einmal war, so haben sich auch
die kölner patrizier damals etwas ganz
besonderes für aufmüpfige widersacher
aus dem volke ausgedacht:

dem delinquenten wurde
natürlich zunächst sein letzter wille erfüllt,
in aller regel
also zwei kölsch.

dann führte man ihn in den turm. zu essen und zu trinken bekam er dort
nichts mehr,
aber dafür entsprach die inneneinrichtung dem neuesten stand
der damaligen technik.
dieser turm
war sozusagen ein penthouse-gefängnis über
drei etagen:
die eigentliche wohnung
war das mittlere stockwerk. entlang der turmmauern zog
sich ein ca. 2 meter breiter
steg aus atmungsaktivem holz. zur oberen
etage führte
leider kein aufzug, denn so etwas gab es ja damals noch nicht. aber so bot sich
von dieser
mittleren wohnebene ein unverbauter blick zur integrierten
dach- und kellerebene.
wenden wir uns aber jetzt
diesem ober- und untergeschoss zu und kommen damit
zum eigentlichen kern der geschichte:
ganz oben unter dem
dach der behausung hing in der mitte des turms in ca. 3 meter höhe
von der wohnebene an einer schnur ein
weck. das
ist so eine art brötchen oder eine
semmel, wie man weiter südlich von köln zu sagen pflegt. ansonsten bekam der
bewohner ja nichts zu essen. was lag also
näher als kurz vor dem verhungern hoch zu
springen und nach diesem
weck zu schnappen!
aber oweh! ob der ärmste
es nun schaffte oder nicht, an sein brötchen zu kommen, - er fiel
dann in jedem falle senkrecht nach unten, - durch das loch in der wohnebene hindurch
in das tiefgeschoss.
leben und sterben
im weckschnapp
und dort erwarteten
ihn 4711 scharfe solinger klingen, welche ihn in 4712 scheiben
schnitten und seine einzelteile rheinabwärts der nordsee zuführten! - wir erinnern uns:
die wegschnapp stand mit einer hälfte
im rhein. - ja, bezüglich entsorgung -ich denke
nur an den müllskandal- waren wir kölner schon immer absolute spitzenklasse!